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Geschichte des Hofes

Holtbeck, später Holbeck, lag vor den Toren der Stadt Steele und hatte den Namen von dem aus dem Eickenscheidter Walde kommenden Wiesenbach, der den Namen Holtbecke oder Holzbach trug. Dieser Bach und der Abfluss der Fischteiche speisten die Wassermühle, die auf dem Grund und Boden von Eickenscheidt stand.

Der Holbeckshof war ein Behandigungsgut (Behandigung = mhd. = Übergabe von Leibgewinnsgütern). Grundherr war der Bauer Eickenscheidt.

Vermutlich war Eickenscheidt ursprünglich ein Reichs- oder Königshof. Der errichtete Ort Steele erscheint noch im 10. Jhd. als königliche Pfalz. Im Jahre 938 fand hier unter Otto dem Großen ein Reichstag statt. (Quelle: Der Reichstag zu Steele in den Beiträgen zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Heft 11, 1887)

Eickenscheidt war eine “curtis integra” (vollgültiger Oberhof) mit 113 Unterhöfen.

1332: Erste Erwähnung des Hofes in einem Register von 1332, das dem Essener Kettenbuch (liber catenatus) als Vorlage diente. Dieses Register (Staatsarchiv Düsseldorf, Stift Essen, Akten XXI) bestand aus 14 handschriftlichen Pergamentblättern in 4o und trägt die Überschrift: “Jsti sunt redditus abbascie (!) secularis ecclesie Essendensis ao. dni. MCCCXXXII reverenda domina, domina Cunigunda, dice ecclesie abbatissa, iubente et reqirente ex diversis litteris et registris per Albertum, tunc eius receptorem seu collectorem, in unum collecti.”

Das Kettenbuch entstand zwischen 1408 und 1411, es ist teilweise in lateinischer und niederdeutscher Sprache geschrieben und besteht aus drei Teilen. Es enthält in einem ersten Teil das Abgabenverzeichnis der einzelnen Essener Oberhöfe und den dazugehörigen Unterhöfen.

um 1490: Johan in der Holtbecke ist “raitmanne to dyr tyt der stait van Essinde”.

um 1500: Johan in der Holtbecke ist “raitmanne der stat Essende”.

18. Juli 1520: behandigt Margarete von Beichlingen, erwählte Äbtissin von Essen, zur Zeit “selbst verwarende unseren Hoff Eyckenscheidt”, Johann Holtbecke u.a. zum Hobsgeschworenen des Hofes Eickenscheidt. (Ddf., Stift Essen, XXII, 6 f., Nr. 49)

22.April 1528: Behandigung der Rense von Steil, Witwe Dirichs Ulenbrocks, mit der Hove in der Holtbecke. (Ddf., Stift Essen, Original-Pergament)

18.Juli 1570 : Die Stadt verpachtet an Thonis und Drude Holbechken die Graffwegsport

Am 30.Mai 1589 unterzog sich Heinrich in der Holtbeck in Essen einer Wasserprobe (Ute Kupper-Braun: Macht in Frauenhand )

1609: Marß Holtbeck wird Bürger

08.Oktober 1626: Maria Clara von Spaur und Vallier, Äbtissin von Essen, Metelen und Nottulen, behandigt nach Absterben des Everhart Holtbecke und seiner Frau Trine deren Sohn Dietrich Holtbecke an die in den Stiftshof Eickenscheidt gehörige Holtbeckhove. (Ddf., Stift Essen, XXII, 6f., Nr.X / Dietrich Holtbeck, auch 1642 erwähnt in: W. Grevel, Materialien zur Geschichte von Steele, S. 65)

Die Höfe der Bauern drückte während und nach dem 30jährigen Krieg (1618-1648) eine ungeheure Schuldenlast.

1637 brannte der Oberhof Eickenscheidt durch einen Unglücksfall vollständig ab.

13. Juni 1697: Anna Holtbecks und Dietrich Middelhoff werden Eltern des Dierich Caspar Middelhoff.

1691: In der “Land-Matrikel” von 1691 werden 30 Essener Bürger genannt,welche die 48 sog. Schuhgraben-Gärten hinter der Getrudiskirche gepachtet haben: u.a.Koppe, Lissing, von Lennep, Dutscher, Feltman, Kremers, Kammans, Lügge, Holtbeck, Breucker, Helberg, Piper, Lademacher, Heggeman, Neveling, Kuhlhoff, Pott, opm Egen, Brockhoff, opm Kolke, Schulte neber der wische. (Flurnamen in der Grundsteuer-Mutterrolle 1810 mit Erläuterungen)

15.Dezember 1756: Johann Dietrich Holtbeck wird behandigt.

05.April 1780: Dessen Schwiegertochter Anna Wilh. Hinderfeld wird behandigt.(Ddf., Stift Essen, XXII, 6e) (Ehemann Bernard Holtbeck)

15.Juli 1789: Letztbehandigter Bernard Holtbeck (Akten: STAD Best. Reg. Düsseldorf Nr. 5451)

Als 1794 die neue Landstraße von Essen nach Steele gebaut wurde, eröffnete Bernhard Holbeck an dieser Stelle eine Wirtschaft.

Sein Sohn sollte während der Napoléonischen Zeit zum Heeresdienst gepresst werden. Er wollte nicht in Spanien für den Korsen sterben. Seine Eltern versteckten ihn deshalb in einem kleinen Verschlag, der sich neben dem Schweinestall befand. Eine mehrmalige Durchsuchung des Hofes durch die französischen Gendarmen blieb erfolglos. In den Freiheitskriegen (1813-1815) zog der dann mit den Preußen ins Feld.

1795: Bewohner der Solstätten nach der “Essener Früchteliste” für das Stift Essen aus dem Jahr 1795 (Kirchspiel Rellinghausen): Wilhelm Holtbeck, Einwohner bei Ridder (Taglöner), Holtbeck (Kötter), Vöcklinghaus., Wilhelm Fuhrkötter, Leibzuchtshaus Holtbeck (Taglöner)

1795: Bewohner der Solstätten nach der “Essener Früchteliste” für das Stift Essen aus dem Jahr 1795 (Stadt Steele): Holbeck, Behandigungs Guth (Wirth), Eickenscheidt

16.März 1813: Preußische Kriegserklärung an Frankreich.

1801: 19 Bistümer, 44 Stifte und Reichsabteien sowie 41 Reichsstädte verloren ihre Selbstständigkeit. Napoleon wollte aus den geschrumpften westlichen deutschen Ländern ein drittes Machtzentrum gegen Österreich und Preußen bauen.

Am 28.März 1806 rückten französische Truppen in Essen ein.

09. Juli 1807: Friedensvertrag von Tilsit, Preußen verzichtet auf Essen und Werden. Das Lehnsrecht, der Adel und alle Standesunterschiede wurden aufgehoben, die Hörigkeit der Bauern, ihre Dienstverpflichtungen und die feudalen Abgaben wurden abgeschafft.

1823/26: besaß den Hof “am Holbeck” Bernhardt Holbeck zu Steele (Flurbuch der Gemeinde Steele)

1823/26: besaß ein Joh. Holbeck ein Haus “in Steele”, also innerhalb des Mauerrings, zur Größe von 4,4 Ruthen (Flurbuch der Gemeinde Steele)

1861: Erwähnung im Adressbuch der Bürgermeisterei Essen: Holbeck, Bernh., Bäckerlehrl., Chausseestr. 6

1867: die Besitzer des Hofes Holbeck (Flur A 45) und der zu diesem Zeitpunkt durch Parzellierungen reduzierte Grundbesitz sind in der Grundsteuer-Mutterrolle unter dem Artikel 173 erfasst.

1891: Erwähnung im Essener Wohnungs- und Geschäftsanzeiger: Holbeck, Lamb., Bäck., Schwanenkampstr. 47

Die Wirtschaft Holbeck hatte noch bis 1899 einen guten Klang. Mit dem Tod des letzten Besitzers, Bernhard Holbeck, der wegen seiner Späße bekannt war, verlor sie an Besuch. Die Wirtschaft ging in den Besitz der Zeche Johann Deimelsberg über, die sie an H. Klaus verpachtete.

1915: Erwähnung im Essener Adressbuch: Holbeck´sche Erben, Rüttenscheider Str. Nr. 295

Frühjahr 1942: Die meisten der noch in Essen lebenden Juden wurden in das Barackenlager Holbeckshof eingewiesen. Es befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Deimelsberg. Die Einwohnerkartei Holbeckshof ist noch erhalten geblieben.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gelände des Hofes an die Stadt Essen verkauft. Ewald Holbeck sen., geboren 1886 auf Holbeckshof, wurde nach dem 1. Weltkrieg Versandmeister (Betriebsleiter) auf der Zeche Bonifatius. Er starb 1975 in Essen-Kray. Sein Sohn Ewald Josef Holbeck jun. besuchte das Gymnasium in Essen-Steele und arbeitete nach seiner Rückkehr aus der kanadischen Kriegsgefangenschaft in der Verwaltung der Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen. Er starb 2001 in Balve (Sauerland).

2002: Die Stadtarchäologie Essen stellt einige neue Fundplätze vor: In Steele wurde unter der Straße Holbecks Hof noch ein Stollen der 1928 stillgelegten Zeche Deimelsberg festgestellt. Auf den Schienen standen sogar noch drei Loren.