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Am 30. Mai 1589 unterzogen sich in Essen 18 Männer und Frauen unter Elisabeth II. von Manderscheid und Blankenstein (1588-1598) freiwillig einer Wasserprobe, um sich von dem Gerücht der Zauberei und Hexerei zu befreien.
Achtzehn “stiftische Untherthanen” waren “vor langer Zeit mit der Laster der Zauberey berüchtigt gewesen und von andern davor außgeschrouwen und geschulden worden” und baten von sich aus um die Möglichkeit, sich durch die Wasserprobe vom Verdacht zu befreien.
Sechs von ihnen ertranken und waren demnach unschuldig.
Zwei dieser sechs waren nur mitgekommen, weil sie bei den anderen Schulden hatten und sich durch die Wasserprobe davon befreien lassen wollten:
“Unnd dan uff bestimpten Tagh und Zeit zu achtzehn Personen sich ahm Wasser dargestellt und uffwerffen lassen, deren zwelff uff dem Wasser geschwommen unnd sex uff den Grund hineingefallen, darunder zween gewesen, so der andern etzliche geschulden gehabt und drumb sich mit Inen uffwerffen lassen. Demnach seint dieselb zwelff, so geschwommen, in Irer Fürstl. Gnaden Hafftungh getzogen.” (Richterliches Protokoll vom 30. Mai 1589)
Die Überlebenden wurden anschließend gefoltert. Drei Personen (Heinrich in der Holtbeck, Herskamp und Huttmann´s Tochter) legten ein umfassendes Geständnis ab, das sie später widerriefen. (Ute Kupper-Braun: Macht in Frauenhand )
Heinrich in der Holtbeck “erinnerte” sich unter der Folter daran, wie er dem Teufel begegnet, von diesem zum Mord angestiftet und zum Hexentanz geladen worden war. Für Stadt und Stift Essen sind für die Zeit von 1580-1589 nur 14 Hexenprozesse überliefert, die alle unblutig endeten. Im Stift Rellinghausen fand die Wasserpobe in der Ruhr statt, im Stift Essen in der Emscher. ( Zitat nach der Transkription von Ludwig Wördehoff: Handschriftliche Aufzeichnungen aus dem Nachlaß von Rektor Johannes Pesch. Essen, o.J. / Protokollbuch des Magistratsgerichts Essen.)
Das “Geständnis” von Heinrich In der Holtbecken:
“Wilcher drauff bekandt hatt, daß er mit der Zauberey behafft und anfengklich der Teuffell in gantzer Gestalt ungefehr vor acht oder neun Jaren do er in Talßhaus gewohnt, bei Ime auffs Bedd kommen und gefordert, daß er Ime angehangen vnd Gott absagen und demnach hin und wieder alles Böses thun soll.
Wie dann der Teuffell Ime in einer Kulen bey Herbrüggen in seinem des Teuffells nhamen gedeufft, er druff zurugkgetretten und Gott sampt allem was Gott anhengkt, verleughnet und dem Teuffell Zusagh gethon seinen Nechsten zu schedigen. Hab Ime dauortts nach sollicher Tauff der Teuffell ein Pöttgen mit schwartzer Materien zugepracht, mit wilcher Materie sie allen Schaden zuweg pringen könnten.
Wie er dan irstmal sein vorige Frau und Kynder eins inß Teuffells nhamen mit derselben Materien (davon er Inen inns Warm gedain) umbbracht. Auch in verlitten Lentes Nurseln zwey Pferd zu verscheiden Zeitten verdorben, bei nächtlich Weilh in den Pferdstall gestiegen und ein theilh derselben Materie in etwas Heuwes gestochen und den Pferden zu fressen geben, sey auch Itzo seiner Pferd noch eins kranck, das er imgleichen beschedigt. Aber Nursell hab rhait gesocht. Dar vorß letzmalh uffen Dantzplatz gewesen uffen Creutzwege über den Segerod nach den Bergbeumen, da die Huttmannsche Ire Dochter und sein Fraumitgedantzt, so alle uffen bessen und er uffen roten Kalb dohinn gezogen, wilche Inen der Teuffell zupringe und geschehe sollichs uff die Quatember. Der Teuffel komme zu Inme umb Mitternacht mit einem Schrecken, wenn sie zum Dantz ziehen sollen. Er sei Spielman gewesen. Das Instrument, druff er gespillet, sei ein Pferdtskynen (Pferdehaut), wilch Inen ein überauß soeß und genöchlich gelauth giebe. Hab auch sunst woll mit obg(enann)ten seinen Gesellen vffen großen Broiche gedantzt und gespillet. Sein Vetter Henrich zu Bochlinghhusen da er uff eine Zeit bey demselben in seinem Keller gewesen, in Gegenwortigkeit desselben Magd, so hingericht, Hab Inen irst zu dieser Sünd gereidtzt. Das Pötgen, darin die schwartze Materie, stehe in seinem Kemmerchen unter dem Schapp, da eß woll gefunden köndt wörden. “ (Otto Seemann: Über einige Hexenprozesse im Stift Essen. 1888, S.120f.)
Es wurden in diesem Prozeß weitere Folterungen vorgenommen. Die peinliche Befragung selbst schildert das richterliche Protokoll ebenfalls:
Die Frauen In der Holtbeckens wurden “uffgetzogen und darzu mit Schrauben gepeinigt über anderthalb Stund langh.”
Der Richter verspürte jedoch ein “gerechtes Bedenken”, die Angelegenheit allein nach dem Resultat der umstrittenen Wasserprobe bzw. der gleich darauf veranlassten Folter zu entscheiden. Er wandte sich stattdessen mit einer Denkschrift an die Fürstäbtissin, um ihr Urteil einzuholen. Diese wiederum konsultierte einen Rechtsgelehrten. Er empfahl die Entlassung der Betroffenen aus dem Gefängnis, was auch tatsächlich geschah. ( Zitat nach der Transkription von Ludwig Wördehoff: Handschriftliche Aufzeichnungen aus dem Nachlaß von Rektor Johannes Pesch. Essen, o.J. / Protokollbuch des Magistratsgerichts Essen.)
Am 2. Juni wurde in Steele die Huttmansche Tochter gefoltert: “ (...) Vnd sein uff benannten Oertern Ire gesellen gewesen Ire Moder, Heine In der Holtbeckh und desselben Husfrau. Heine sey Spielmann gewesen und gebe daß gespiell ein gelauth von sich, alß wenn man uff einer Pannen rapt (...).”
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