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Stadtarchäologie

Archäologische Beobachtungen am Holbecks Hof in Steele (von Dr. Detlef Hopp)

Westlich des bis in das 19. Jahrhundert hinein noch von einer Stadtmauer umgebenen Ortskernes von Steele und nördlich der Steeler Straße, befand sich der Hof Holbeck, der ist bereits 1332 im Kettenbuch aufgeführt wird. Der Hof leitet seinen Namen vom Holzbach her, der hier einmal floß. Seit dem Frühjahr 2003 entstand westlich der Straße Holbecks Hof, auf einem Hügel oberhalb von Steele, ein neuer Wohnpark. Diese Maßnahme wurde bis Anfang 2004 archäologisch begleitet. Da nach dem 2. Weltkrieg großflächig Kriegsschutt auf den Hügel aufgebracht wurde und in einigen Bereichen zudem Anschüttungen einer nahen Ringofenziegelei festgestellt werden konnten, waren Prospektionen im Vorfeld der Baumaßnahme nicht möglich. Archäologische Funde waren von dem Gelände nicht bekannt.

Bereits im April 2003 wurden bei Rodungsarbeiten und einer Kanalbaumaßnahme im nördlichen Teil des Neubaugebietes, in Anschüttungen aus der Zeit des 2. Weltkrieges oder aus älterer Zeit, einige dicht beieinanderliegende Architekturreste aus Ruhrsandstein festgestellt . Die Herkunft der Steine ließ sich nicht mehr sicher feststellen. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, daß diese Funde im Zusammenhang mit dem Bau oder mit dem Umbau der Fürstin Franziska-Christine-Stiftung, die 1765 errichtet wurde, stehen: Nach Anton Lehnhäuser, einem Heimatforscher, wurde das Gebäude aus Ruhrkohlesandstein aus dem gegenüberliegenden Steinbruch errichtet. Reste des Steinbruches, der auch auf historischen Karten verzeichnet ist, wurden tatsächlich nördlich der Straße Holbecks Hof, anläßlich einer weiteren Baumaßnahme, beobachtet.

Eine Hangstützmauer aus Bruchstein und Ziegel, die an der östlichen Seite der gleichen Baugrube festgestellt wurde, könnte mit der Zeche Deimelsberg, die sich östlich der Straße Holbecks Hof befand, in Zusammenhang stehen. Vor mehreren Jahren sollen bei Bodeneingriffen auf dem Firmengelände am Holbecks Hof und am Aronweg Hohlräume und Mauerreste festgestellt worden sein. Ob diese aber mit der Zeche oder mit einer Wassermühle, die sich hier befand, in Verbindung stehen, ließ sich nicht klären. Ein Mühlstein aus Basalt, der sich im Garten des Pastorats in der Laurentiusstraße befindet, soll von hier stammen.

Im Sommer 2003 wurden bei Bohrungen, anläßlich der geplanten Neubebauung, gegenüber der Einmündung zum Aronweg erneut Hohlräume, z.T. bis in eine Tiefe von vierzehn Metern, festgestellt. Im Verlaufe der Arbeiten stellte sich heraus, daß es sich um einen wsw – ono orientierten Stollen der Zeche Johann Deimelsberg handelt, der sich weiter unter der Straße Holbecks Hof fortsetzte. Die Zeche förderte seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1928. „Wiederentdeckt“ wurde auch der durch eine Stahltür verschlossene Zugang zu einem Stollen, der Teil einer 1944 entstandenen Luftschutzanlage war, die mit den Bergwerkstollen in Verbindung stand. Er befindet sich an der westlichen Außenmauer einer Werkhalle der Steeler Maschinenfabrik Franz Anderle, die 1929 gegründet wurde. Anderle war Tagesbetriebsführer auf der ehemaligen Zeche Johann Deimelsberg. Seine Fabrik befaßte sich zunächst mit der Herstellung von Maschinen für Bergwerke und Hütten. In dem Stollen wurden drei Loren gefunden, die auf Schmalspurschienen standen. Nach Westen hin war der geziegelte Stollen zugemauert, so daß keine Gelegenheit bestand, auch in die neu aufgefundenen und später aus Sicherheitsgründen mit Beton verfüllten Teilstücke des Stollens Einblick zu nehmen. 1942/43 befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Deimelsberg, gegenüber der Einmündung des Aronweges, ein Sammellager für Essener Juden, das Barackenlager Holbecks Hof.

Nur wenige Befunde lassen sich mit dem alten Hof Holbeck in Verbindung bringen. Einige große Lehmentnahmegruben und, damit möglicherweise in Verbindung stehend, mindestens drei große aufgefundene Feldbrandöfen, die dem Brand von Lehmziegeln dienten, kommen hierfür in Frage. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, daß sich nordwestlich der beobachteten Fläche im 19. und 20. Jahrhundert Ziegeleien befanden. Aus einem der Feldbrandöfen stammt etwas neuzeitliche Keramik. Streufunde aus dem 15./16. Jahrhundert aus seinem Umfeld. Eine Wirtschaft, die 1794 an der neuen Landstraße von Essen nach Steele von Bernhard Holbeck eröffnet wurde, besteht noch heute.

Literatur:

Erwin Dickhoff, Essen. Hof- und Flurnamen im Spiegel der Essener Straßennamen (Essen 1971); Wolfgang G. Hermann, Die alten Zechen an der Ruhr (Essen 1990); Anton Lehnhäuser, Steele – 1000 Jahre seiner Geschichte in Einzelbildern (Essen 1947); Ernst Schmidt, Essen erinnert (Essen 1991)

Herrn Johannes Stoll sei für seine Hinweise gedankt.

Text und Bilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt von:

Dr. Detlef Hopp, Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege Essen/Stadtarchäologie, Trentelgasse 2, 45121 Essen